Prinzessin statt Aschenputtel
Beste Chancen für ausländische Investoren und Unternehmen auf der Suche nach neuen internationalen Märkten oder günstigen Bedingungen für die Produktion - in den vergangenen Jahren fiel einem bei diesen Stichworten zuerst China ein

Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein und die Wirtschaftsförderung des Rhein-Kreises lenken den Fokus im Januar mit einer Unternehmerreise auf einen neuen Star in Asien: Indien.
Rhein-Kreis Neuss. Lange sind deutsche Manager auf dem Weg nach China nur darüber hinweggeflogen, am Freitag landen sie: „Indien hat sich vom Aschenputtel Asiens zur strahlenden Prinzessin entwickelt“, sagt Roland Meißner, als Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein Experte für internationale Wirtschaftskontakte.
Seit Einführung der kapitalistischen Marktwirtschaft 1991 wachse die indische Wirtschaft pro Jahr durchschnittlich um sechs bis acht Prozent, ein Trend, der nach einer Prognose von Deutsche Bank Research auch in den kommenden zehn bis 15 Jahren anhalten wird. Das Ergebnis: Bereits 2050 soll Indien nach China und den USA die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sein. Deutschland würde dann nach einer Projektion von Goldman Sachs nur Platz acht belegen.
„Kein anderes Land der Welt weist derzeit eine so exzellente Kombination von Marktwachstum und -volumen, niedrigen Lohnkosten und sehr gutem Angebot an qualifizierten Mitarbeitern mit hervorragenden Englischkenntnissen auf“, Jürgen Steinmetz, Wirtschaftsförderer des Rhein-Kreises Neuss, hat, wenn es darum geht, Mittelständler für eine Unternehmerreise vom 11. bis 22. Januar zu begeistern, an Argumenten keinen Mangel.
Mit IHK-Präsident Wilhelm Werhahn und Landrat Dieter Patt an der Spitze sollen 25 Wirtschaftsvertreter aus dem IHK-Bezirk die Städte Kalkutta, Bombay, Pune und Hyderabad besuchen. Auf dem Reiseprogramm, das von IHK-Referent Stefan Enders ausgearbeitet wurde, stehen Besuche erfolgreicher indischer und deutscher Unternehmen sowie einer indischen Elite-Universität. Fachvorträge und mehrfache Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Experten für den Zukunftsmarkt Indien sowie Einblicke in das Sozialsystem und die Kultur Indiens runden das Reiseprogramm ab.
Im Vergleich zu China bietet Indien, so Meißner, Investoren aus dem Ausland viele Vorteile: ein demokratisches System, durch die weite Verbreitung des Englischen keine Sprachbarrieren und ein Lohnniveau, das noch unter dem in China liegt. Noch allerdings, so Meißner, werde das Potenzial Indiens von deutschen Unternehmen kaum genutzt.
Zwar gibt es dort rund 1600 Niederlassungen deutscher Firmen und rund 600 deutsch-indische Joint-Ventures, insgesamt erreiche der Außenhandel mit Indien jedoch bislang gerade einmal eine Größenordnung, die mit den Beziehungen zu Luxemburg vergleichbar sei.
In Zukunft wird sich das wohl ändern - allein das hohe Binnenmarktpotenzial Indiens spricht für sich: Der Konsumgüterbedarf des 1,1 Milliarden-Einwohner-Landes wird bereits in zehn Jahren an den der Chinesen heranreichen. Meißner: „Die Kaufkraft in der Mittelschicht wächst, und der Nachholbedarf an Konsumgütern ist groß.
Redaktion: Neuss-Grevenbroicher Zeitung
Redakteur: Frank Kirschstein
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