IHK besucht den neuen Investitionsstandort Indien
Mitte Januar fährt eine Delegation der Industrie- und Handelskammer mit Unternehmern des Mittleren Niederrheins auf den asiatischen Subkontinent
Rhein-Kreis Neuss. Indien boomt. Seit der Einführung der Marktwirtschaft 1991 steigt das Wirtschaftswachstum kontinuierlich an. Bereits heute gilt der Staat auf dem Subkontinent als „Shooting Star“ unter den asiatischen Volkswirtschaften. Bis 2020 soll es zur drittgrößten Volkswirtschaft hinter den USA und China aufstiegen. Exzellente Chancen also auch für Investoren aus dem Rhein-Kreis Neuss, denen die IHK-Mittlerer Niederrhein mit einer Unternehmerreise vom 13. bis zum 22. Januar 2007 eine Türe nach Indien öffnen möchte. Stationen der Reise sind Kalkutta, Mumbai (das ehemalige Bombay), Pune und Hyderabad. Dabei sollen stets Gespräche mit Wirtschaftsvertretern gesucht werden.
„Seit 2004 übersteigen die Währungsreserven Indiens Verschuldung“, sagt Roland Meißner, Geschäftsführer des IHK-Geschäftsbereiches International. Ein Indiz dafür, dass das indische Wirtschaftswachstum auch auf Dauer sichergestellt ist. Die Deutsche Bank hat für die nächsten 10 bis 15 Jahre ein Wachstum der Wirtschaft von sechs Prozent als gesichert berechnet. Ein weiterer Beweis: „Auf Dauer sind Flüge nach Indien ausgebucht. In den Hotels mit internationalem Standard sind günstige Zimmer kaum mehr zu bekommen“, so Meißner.
Dennoch gebe es auch Hürden bei der Investition in Indien. Die Bürokratie ist sehr ausgeprägt. Es dauert im Durchschnitt 89 Tage, bis ein Unternehmen gegründet werden darf. Ebenso stark ist auch die Korruption, dafür darbt die Infrastruktur. Lange Transportzeiten und eine schlechte Versorgung mit Strom und Wasser sind die Folge.
Wolfgang Beyers kennt Produktions- und Investitionsstandort Indien aus erster Hand. Sein Mönchengladbacher Unternehmen stellt als Dienstleister elektrotechnische Lösungen für die Automobilindustrie und mittelständische Betriebe her. „Die indische Lebensphilosophie ist eine gänzlich andere als hier in Mitteleuropa“, weiß er zu berichten. Zeit werde in anderen Maßstäben bewertet und „was nicht passt, wird manchmal eben passend gemacht.“ Dennoch nutze sein Unternehmen auch die Chancen in Indien, um dauerhaft Arbeitsplätze im Rheinland zu sichern. Heutzutage müsse ein modernes mittelständisches Unternehmen zumindest teilweise auch mit einem so genannten Low-cost-country wie Indien kooperieren. „Sonst suchen sich unsere Kunden einen kostengünstigeren Anbieter.“
Gute Entwicklungschancen sieht Meißner vor allem für Unternehmen, die Umwelttechnik produzieren, mehr jedoch noch für die Konsum-, Maschinenbau- und Automobil-Industrie. „Unser Ziel ist es auch, dass Deutschland zu einem intensiveren Handelspartner Indiens wird.“ Das Land rangiert in den Handelsbeziehungen derzeit auf Platz elf.
KOMMENTAR
Vorsicht vor der Euphorie
Von Peter Langer
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Mit Indien ist zu rechnen. Nicht nur als Investitionsstandort, sondern auch als wichtiger Handelspartner. Doch wer auf dem Subkontinent investieren will, sollte sich auch alle Risiken gut durch den Kopf gehen lassen. Mehr als einmal hat sich dabei bereits eine gefährliche Sogwirkung entwickelt, wurden am ende mehr Arbeitsplätze als gewollt aus heimischen Regionen fortgesaugt.
Redaktion: Westdeutsche Zeitung
Redakteur: Peter Langer
